Massaker in Syrien nicht medienrelevant

Markus Kompa 21.07.2016

Zivile Todesopfer der Anti-IS-Koalition mit deutscher Beteiligung sind offenbar uninteressant

Der aktuelle Aufreger in den deutschen Medien ist eine SPD-Hinterbänklerin, die sich Abitur und juristische Staatsexamina in die Tasche log. Halb so wild, die Grünen hatten sich im Bundestag mal einen „Rechtsexperten“ geleistet, der nur über ein abgebrochenes Studium für Kunstgeschichte etc. verfügte. Seitdem der Bundestag die Reform des Sexualstrafrechts einstimmig beschloss, hat sich juristischer Sachverstand als Kriterium für Abgeordnete ohnehin erledigt.

Die Tatsache, dass Politiker notorisch lügen, sollte eigentlich keinen ernsthaften Nachrichtenwert mehr erfahren. Dennoch messen die deutschen Journalisten dem Thema ungleich mehr Aufmerksamkeit bei als der Massakrierung von offenbar über 200 Zivilisten in Syrien durch die westlichen Anti-IS-Koalition, der auch die Bundesrepublik angehört. Selbst die virtuellen Pokemons haben ungleich höhere Prioriät als die Menschenleben, die aus der Luft im Namen unserer Freiheit ausgelöscht wurden.

Bei der „Internationalen Allianz gegen den Islamischen Staat“ handelt es sich um ein Militärbündnis, das u.a. von Deutschland und der Erdogan-Türkei gegründet wurde. Letztere hat zum erklärten Ziel, mit ihrer Beteiligung einen kurdischen Staat zu verhindern. Ein UN-Mandat zu diesen Einsatz gibt es ebenso wenig wie beim deutschen Afrikafeldzug. Das Führen und bereits das Vorbereiten eines Angriffskriegs sind hierzulande eigentlich Straftaten, menschliches Leben als das höchste Verfassungsgut (Artikel 1 GG) darf nur im Extremfall durch den Staat beendet werden.

Doch wie gezeigt, sind im Bundestag zuverlässige Rechtskenntnisse nicht zu erwarten; Berufspolitiker benötigen zudem weniger Rückgrat als Sitzfleisch. Nach wie vor kein Thema in Medien oder Bundestag sind die Ursachen von Terror und sogenanntem „Islamischen Staat“, nämlich die vom Westen geführten Kriege in der arabischen Welt und deren Unterstützung durch die Bundesrepublik, die etwa den USA hierzulande Militärbasen zur Verfügung stellt. Telegener ist stattdessen der US-Wahlkampf, als ob es den geringsten Unterschied machen würde, welcher Vertreter der Wallstreet gerade im Weißen Haus repräsentiert.

Der Mitschnitt der Pressekonferenz zum Massaker in Syrien mit dem verschämten Weggucken der ausweichenden Sprecher wäre eigentlich komisch, wäre das Thema nicht so bedrückend.

Wenigstens an der heimischen Front gelang es der Bundeswehr, zivile Opfer beim Schießtraining zu vermeiden, als Zivilisten im militärischen Sperrgebiet nach Pokemons suchten. Solche Meldungen schaffen es in die Nachrichten.

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