Den bürgerlichen Revolutionären in Frankreich und Nordamerika galten Sklaven, aber auch Kinder und Frauen, nicht als Menschen. Vor allem aber ging die von ihnen erkämpfte rechtliche Gleichheit mit massenhafter, neuer sozialer Ungleichheit einher.

Wer hat’s erfunden?

sklaverei1Von Oliver Wagner

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek vom 23. August 2016

Hätten Sie es gewußt? Gestern wurde der 1998 von der UNESCO proklamierte »Internationale Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen Abschaffung« begangen. Damit soll an revolutionäre Ereignisse erinnert werden, die sich vor 225 Jahren auf der damals zu 90 Prozent von Sklaven bevölkerten französischen Kolonialinsel Saint-Domingue, dem heutigen Haiti, zutrugen.

Unter der Führung des Sklaven Dutty Boukman brach dort in der Nacht zum 23. August 1791 ein bewaffneter Aufstand aus, an dem sich rund eine halbe Million Menschen beteiligten. In der Schlacht von Pernier besiegten die Sklaven die Soldaten der weißen Plantagenbesitzer und erzwangen die Anerkennung ihrer Rechte. 1804 erlangte Haiti als erstes Land Lateinamerikas seine Unabhängigkeit von den Kolonialherren.

 

Die UNESCO erklärte 2009 auch die bereits 1222 im damaligen Mali-Reich in Westafrika proklamierte »Charte du Manden« zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Die Manden-Charta richtete sich nicht nur gegen Sklaverei, Hunger und Krieg, sondern erhob gleichfalls zum ersten Mal die Forderung nach rechtlicher und sozialer Gleichberechtigung aller Menschen ohne Ausnahme.

 

Die Menschenrechte wurden also weder in der Unabhängigkeitserklärung der USA vom 4. Juli 1776, noch am 26. August 1798 in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der französischen Nationalversammlung zuerst verkündet, sondern mehrere Jahrhunderte früher im Westen des afrikanischen Kontinents.

Den bürgerlichen Revolutionären in Frankreich und Nordamerika galten Sklaven, aber auch Kinder und Frauen, nicht als Menschen. Vor allem aber ging die von ihnen erkämpfte rechtliche Gleichheit mit massenhafter, neuer sozialer Ungleichheit einher.

Der humanistisch eingestellte französische Schriftsteller Anatole France spottete daher 1894 über die »majestueuse égalité des lois interdit aux riches comme aux pauvres de coucher sous les ponts, de mendier dans la rue et de voler du pain.«

Dabei ist es auf unserem Kontinent geblieben. Die Europäische Menschenrechtskonvention von 1950 blendet den Anspruch auf soziale und kulturelle Gleichberechtigung einfach aus, während diese Rechte in der Afrikanischen Charta der Menschenrechte und der Rechte der Völker, die am 27. Juni 1981 in Nairobi auf dem 18. Treffen der Staats- und Regierungschefs der Organisation der Afrikanischen Einheit (OAU) einstimmig verabschiedet wurde, eine zentrale Rolle spielen.

Schon die Präambel der afrikanischen Charta ist ein Programm für Menschenrechte. Sie bekräftigt unter anderem das in Artikel 2 der Charta der OAU abgegebene Versprechen, »alle Formen von Kolonialismus, Neokolonialismus, Apartheid und Zionismus in Afrika zu beseitigen, die Zusammenarbeit und Bemühungen zur Verbesserung des Lebensstandards der afrikanischen Völker zu koordinieren sowie die internationale Zusammenarbeit zu fördern«.

Wie sieht es im heutigen Europa aus?

In Europa sieht es da ganz anders aus. Da bekommen „Menschenrechtskrieger“ wie Obama und ein aus ehemaligen Kolonialländern zusammengesetztes Staatenbündnis wie die EU den Friedensnobelpreis.

Oliver Wagner

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