Grenztruppen der DDR. Die 70-ste Wiederkehr der Bildung der Grenzsicherungskräfte

Verband zur Pflege der Tradtionen der NVA und der GT der DDR e.V.

Zwei denkwürdige Ereignisse

An vielen Orten, vor allem in den neuen Bundesländern, treffen sich in diesen Wochen und Monaten Frauen und Männer aus innerer Verbundenheit zueinander und sie erinnern sich an gemeinsame Erlebnisse im Verlaufe ihrer Dienstzeit.
Die Gespräche drehen sich auch um die Familien, gemeinsame Freunde und Bekannte und diejenigen, die beim letzten Treffen noch anwesend waren und die das heute nicht mehr sein können.

Die, von denen hier die Rede sein soll, dienten oder arbeiteten viele Jahre in den Reihen der Deutschen Grenzpolizei und in den Grenztruppen der NVA der DDR, später in den Grenztruppen der DDR.
Die 70-ste Wiederkehr der Bildung der Grenzsicherungskräfte am 1. Dezember 1946 ist ein würdiger und zugleich denkwürdiger Anlass für ihre Treffen. Sie kamen einst aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten und auch ihre ursprünglich erworbene Bildung konnte unterschiedlicher nicht sein, angesichts der Lebensumstände in ihrer Kindheit und Jugend vor dem Krieg. Das unmittelbare Erleben des Faschismus und des schlimmen Krieges, das Begreifen der ungeheuren Menschenverachtung, für viele der Verlust der Heimat, die materiellen, moralischen und geistig – kulturellen Folgen prägten Menschen dieser Generation in besonderer Weise.
Beim Eintritt in die Reihen der Deutschen Grenzpolizei spielten oft Motive des einfachen Broterwerbs eine verständliche Rolle. Und natürlich war da der Wunsch, gemeinsam mit Anderen nun an einer guten Sache zu arbeiten.

Es ging um die Stabilisierung einer im Entstehen gegriffenen neuen Ordnung, auch an der Demarkationslinie zwischen östlicher und westlichen Besatzungszonen, später an der Staatsgrenze beim Aufbau antifaschistisch – demokratischer Gesellschaftsstrukturen, die bessere Lebensverhältnisse im Frieden und ohne Ausbeutung befördert. Heute sind noch erfreulich viele dieser Generation unter uns und sie haben damals ihre Erlebnisse, ihre Erfahrungen, das beim Schutz der Staatsgrenze erworbene Wissen an die Jüngeren weitergegeben.

Den etwas später Geborenen waren die unmittelbaren Schrecken des Krieges erspart geblieben. Dennoch waren ihnen die Folgen täglich gegenwärtig. Sie sahen die Zerstörungen in den Städten und vor allem an den Menschen mit ihren körperlichen Verstümmlungen und hörten ihren Erzählungen über das Erlebte und das böse Erbe danach. Dieser Generation waren dann auch Möglichkeiten einer soliden Bildung unabhängig vom Geldbeutel der Eltern zugänglich, und der Ruf: „Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus!“ war vielen Menschen dieser Generation der Nachkriegskinder ein gewichtiges Motiv, sich in eine menschlichere Gesellschaft einzubringen und dort auch als Grenzer Dienst an der Waffe zu leisten.

Die Auseinandersetzung der Systeme hatte längst begonnen und Bestrebungen, Deutschland mit seiner Geschichte und der exponierten geostrategischen Lage aus dem Spannungsfeld heraus zu halten, sollten scheitern.

Die damals führenden Politiker und Militärs der UdSSR nutzte die territorialen Ergebnisse des letzten Weltkrieges im Westen und sicherte ihrem geschundenen Land folgerichtig den Einfluss mit dem über Allem stehenden Ziel, nie wieder die Folgen eines 22. Juni 1941 erleben zu müssen. Der Tag des deutschen Überfalls auf die Völker der UdSSR, dessen 75-ste Wiederkehr in diesem Jahr von den Menschen dort so bewegend begangen wurde, steht also mit dem ober genannten Jubiläum in einem direkten Zusammenhang.

Die Politik der USA hatte ein erobertes Westeuropa als wirtschaftlichen Absatzmarkt der Zukunft für sich zu nutzen, zugleich einen kontinentalen Brückenkopf als Standbein ihrer Streitkräfte für zukünftige Auseinandersetzungen zu sichern und einen idealen Stör- und Horchposten dafür am Leben zu erhalten.

In diesem Widerspruch der Interessenlagen, mit all seinen oft und rasch wechselnden Einflüssen, entstand in Folge des Krieges die territoriale Trennlinie mitten durch Deutschland. Nun bemühten sich Menschen der Vorkriegs- und Kriegsgeneration im deutschen Osten, zunächst unter und mit sowjetischen Einheiten, um gesicherte Demarkationslinien und später, gemeinsam mit der Nachkriegsgeneration von Grenzern, um eine zuverlässig geschützte Staatsgrenze der DDR im Interesse der Koalition und eines gesicherten Friedens in Europa. Das gelang 40 Jahre lang gemeinsam mit Frauen und Männern aus drei Generationen, insgesamt also mit ca. 500.000 Grenzern, sozusagen als Vorhut und gestützt auf die NVA, die GSSD und die anderen Kräfte des Zusammenwirkens und der Zusammenarbeit im Lande.

Als es politischen Kräften in beiden bisher widerstreitenden Lagern auf europäischem Boden glückte, gestützt auf den Vatikan, der Politik der USA neuen Raum zu gewähren und einstige Verbündete der UdSSR durch konterrevolutionäre Umbrüche zu demontieren, führten die Sprach- und Orientierungs-losigkeit in der DDR-Politik zur chaotischen Öffnung der Grenzübergänge zu Berlin (WEST) und später zur BRD. Vor den im Dienst befindlichen, voll bewaffneten Grenzern, ob am Brandenburger Tor, der grünen Grenze oder den Militärs in Führungsverantwortung, also vor den als „Todes- und Mauerschützen“ mit ihrem „Schießbefehl“ Verleumdeten, stand eine Entscheidung…

Es fiel kein Schuss !!!
Später dann erübrigte sich eine Sicherung der Staatsgrenze der DDR zu Westberlin und der BRD, denn der Staat selbst erlebte eine feindliche Übernahme mit allen Konsequenzen, bis hin zur politischen Strafjustiz der Sieger, auch und besonders gegen DDR – Militärs und Grenzer aller Dienstgrade. Bereits wenige Monate nach dem Vollzug der deutschen Einheit und nach der Zerschlagung der stärksten antiimperialistischen Kräfte in der Weltarena, einst vereint im Warschauer Vertrag, entfesselte man mit deutscher Hilfe wieder Kriege im Interesse der grenzenlosen Freiheit des Kapitals, auch in Europa.
Das nicht packt gebundene Land antiimperialistischer Orientierung, Jugoslawien, gibt es heute nicht mehr. Es wurde als erstes zerteilt, um darüber zu herrschen.

Weitere Staaten mit der gleichen politischen Grundorientierung, wie der Irak, wurden mit erlogenen Kriegsanlässen Opfer der Supermacht und deren Verbündeter. Dieses Schicksal blieb bisher dem Iran erspart.
So genannte bunte Revolutionen mussten über Grenzen getragen werden und ein „Arabischer Frühling“ sollte für Freiheit sorgen.
Dafür stehen die Ereignisse in Polen, später im Baltikum, dann in Serbien und Georgien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Syrien, in Staaten Afrikas, Lateinamerikas und aktuell die in der Ukraine.

Den Antikommunismus, bisher tief in die Köpfe von Millionen Menschen als Feindbild implantierter, walzt man nun in weitere Feindbilder aus.
Russophobie in mannigfaltigen Erscheinungsformen wird im Westen nach Kräften befördert, selbst gegen eigene Wirtschaftsinteressen.

Deutsche Politiker vergehen sich aus Opportunismus und US-Hörigkeit am eigenen nationalen Interesse und an den Lehren der Vergangenheit, und auch an ihren Wählern.
Das Phänomen „Internationaler Terrorismus“, durch die Kriege, ihre Folgen und die ungerechte Verteilung der Reichtümer dieser Erde gezüchtete, wird für Jedermann zum sichtbaren Ersatzfeindbild.
Kriege und Not führen zu Fluchtbewegungen in bisher nicht gekanntem Umfang und erschüttern, wohl nicht ganz ungewollt, ganze Volkswirtschaften.

Frauen und Männer der hier am Anfang geschilderten drei Generationen von Grenzern sind heute im Herbst oder vor der Vollendung ihres Lebens. So mancher Mitstreiter ist nicht mehr unter uns.
Wir begehen die 70-ste Wiederkehr des Tages der Gründung der Grenzsicherungskräfte der SBZ und der DDR. Dabei sollte das andere Datum, nämlich die 75-ste Wiederkehr des 22. Juni 1941 nicht vergessen werden, den die Völker in weiten Teilen Osteuropas so eindrucksvoll begingen, um des lieben Friedens willen, denn die können den damals über sie gekommenen mörderischen Krieg nie vergessen!
Wir lernten den Frieden wertschätzen, um den wir uns einst gemeinsam mit anderen Menschen als Grenzer erfolgreich bemüht haben. Gesicherte Grenzen bedeuteten für uns damals gesicherten Frieden in Europa.
Heute stehen NATO-Panzer an den Grenzen Russlands und der Aufruf „Soldaten für den Frieden“, den viele Grenzer unterschrieben haben, ist brennend aktuell, denn es sind Kinder und Enkel da, die Krieg und seine Folgen nie erleben sollten!

Frithjof Banisch, Oberst a.D.
im September 2016

Gefunden auf: https://www.facebook.com/vtnvagt/?ref=page_internal

Foto: © Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/ Jochen Moll

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