Warum ist die DDR untergegangen?

Ein vollkommen neues Bildungssystem wurde in kurzer Zeit geschaffen. Gewaltige Wirtschaftsprojekte wurden in Angriff genommen.

Eine sehr aktuelle Frage: Warum ist die DDR untergegangen?

von Dr. Reiner Burkhardt

ddr-fahneJa, dafür gab es innere und äußere Gründe. In den 40 Jahren der Existenz der DDR ist ja viel passiert. Die Startbedingungen waren schon unvergleichlich ungünstiger als in der Westzone. Noch bevor die Waffen schwiegen, haben die USA und England das Konzept für den kalten Krieg erarbeitet. Die BRD wurde zu einem Frontstaat entwickelt. Man nutzte alle Möglichkeiten, um das Denken und die Gefühle der DDR-Bürger im Sinne des kalten Krieges zu beeinflussen, genauso, wie man alles unternahm, um der DDR wirtschaftlich zu schaden. Die Annahme der Stalinnote, nach der in Deutschland freie Wahlen zur Wiedervereinigung stattfinden sollten, passten nicht in dieses Konzept. Die Bedingung war nur die militärische Neutralität Deutschlands.

Ein schwieriger Start…

Die Ostzone und die DDR hat nahezu zu 100% die in Potsdam festgelegten Reparationen an die Sowjetunion bezahlt.

Die Brüder und Schwestern im „Westen“hatten:

Die Stahllieferungen aus dem Ruhrgebiet nach Mitteldeutschland noch vor der Gründung der DDR drastisch gekürzt.

Das wurde durch die DDR ausgeglichen. Man kann nur ahnen, welcher Aufwand z. B. zum Bau von Eisenhüttenstadt notwendig war. Es gab für die DDR keinen Marschallplan. Die Sowjetunion hatte mit sich zu tun, um die gewaltigen Kriegsschäden zu beseitigen. Viele Betriebe mussten vollkommen neu aufgebaut werden weil sie zerstört waren bzw. weil sie im Rahmen der Reparationen demontiert wurden. Das vollzog sich unter der permanenten Abwerbung von hochqualifizierten Menschen aus der DDR und auch unter den Bedingungen von Wirtschaftsspionage.

Chruschtschow sabotierte den Aufbau

Ein vollkommen neues Bildungssystem wurde in kurzer Zeit geschaffen. Gewaltige Wirtschaftsprojekte wurden in Angriff genommen. Es wurde sogar versucht, in der DDR eine Flugzeugindustrie aufzubauen. Die „152“, ein vierstrahliges Düsenpassagierflugzeug, wurde einschließlich der Triebwerke in den 50-er Jahren entwickelt. Die Flugerprobung war schon angelaufen. Weitere Typen lagen schon auf dem Reißbrett. Die Sowjetunion versprach, Hauptabnehmer zu werden. Allerdings trat Chrustschow von diesem Versprechen zurück, als schon Milliarden in dieses Projekt investiert waren. Die DDR wäre das 3. Land der Welt gewesen, das ein solches Flugzeug gebaut hätte.

Trotzdem waren wir erfolgreich!

Trotz aller Probleme, die es gab, hat es die DDR geschafft, ein für die Bürger kostenfreies Bildungssystem, kostenfreie Grippen- und Kindergartenplätze, unzählige kostenfreie außerschulische Sport. und Bildungsangebote zu schaffen. Ein entlassener Strafgefangener bekam sofort eine Wohnung und einen Arbeitsplatz, einschließlich eines Betreuers. Das Rechtssystem funktionierte in der Hauptsache viel humaner als heute. Man brauchte in vielen Fällen keinen Rechtsanwalt. Kleinere Delikte wurden in den Arbeitskollektiven, in den FDJ- und Parteiorganisationen abgearbeitet. Das Gesundheitssystem war für jeden DDR-Bürger kostenlos. Ein Arzt war nur Arzt und kein Geschäftsmann. Das Entlohnungssystem basierte auf 3 Prinzipien: Auf der Gleichberechtigung von Mann und Frau, auf der Bildung, Ausbildung und Verantwortungsübernahme und auf dem Prinzip, dass der Abstand in der Entlohnung zwischen den Arbeitern und Bauern und dem Führungspersonal moderat war.

Die DDR – ein vorbildliches Land!

Die DDR setzte durch, dass alles, was im täglichen Leben gebraucht wurde, auch sehr billig blieb. Eine Kilowattstunde kostete z.B. 8 Pfennige, wie auch der Kilometer mit der Eisenbahn. Dagegen waren Luxusartikel oder Artikel, die man nicht jeden Tag brauchte, entsprechend teurer.

Warum lag die Geburtenrate in der DDR weit über der der BRD? Damals junge Familien werden sich an die großzügige Unterstützung vielleicht noch erinnern.

In der DDR gab es ein Gesetz, das regelte, dass alle Industriegüter mindestens 12 Jahre halten müssen. Ja, das sind nur Beispiele. Trotzdem und darauf war ich auch immer ein wenig stolz, hatte die DDR von allen sozialistischen Ländern den höchsten Lebensstandard.

Warum ist trotzdem alles schief gegangen?

Die Führung der DDR hat es nicht verstanden, dass sehr gute Bildungsniveau der Bevölkerung optimaler zu nutzen. Der hohe Grad der Zentralisierung hat die Entwicklung gedämpft. Die Partei hatte eben nicht immer Recht. Viele Vorschläge von Bürgern wurden als störend empfunden. Hier spreche ich auch aus eigener Erfahrung. Karriere haben häufig die gemacht, die formal das wiederholten, was gestern im Neuen Deutschland stand (und die heute den Kapitalismus lobpreisen). Das war in vielen Fällen das Gegenteil von dem, was Marx, Engels und Lenin forderten. Der sozialistische Wettbewerb war in vielen Fällen ein Papiertiger. Ein intelligent gesteuerter Wettbewerb und die Durchsetzung des Prinzips, Fachwissen vor Lippenbekenntnissen, wie es die junge Sowjetrepublik mit dem Kommissarprinzip durchgesetzt hatte, hätten die inneren Probleme minimiert.

Die äußeren Bedingungen

Die äußeren Bedingungen wirkten noch destruktiver als die inneren Probleme. Die Berieselung der DDR-Bürger über Funk- und Fernsehen, verbunden mit den optimalen Bedingungen der Entwicklung der Wirtschaft, wozu auch die vielen Fachleute aus der DDR beigetragen haben, die verwandtschaftlichen Beziehungen, aber auch die Intershop-Läden in der DDR, das Auftreten von BRD-Bürgern in Urlaubszentren der sozialistischen Ländern, wie auch die steuerlich absetzbaren Weihnachtspakete an die damaligen Brüder und Schwestern in der DDR und manches Andere, haben viele DDR-Bürger verwirrt. In der BRD sah man so etwas wie ein Paradies. Zu den äußeren Bedingungen gehörte die Hallsteindoktrin und die vielen Versuche westlicher Geheimdienste in die DDR einzudringen.

Wie war das Verhältnis zur Sowjetunion?

Zu den äußeren Bedingungen zählt aber auch das Verhältnis zur Sowjetunion und den anderen sozialistischen Ländern. Dieses Verhältnis war sehr ambivalent. Die Sowjetunion hat der DDR sehr geholfen. Wenn es aber Probleme gab, hat sie aber auch nahezu immer ihre Position durchgesetzt. Auf wirtschaftlichem Gebiet ging das häufig zu Lasten der DDR. Gorbatschow hat sicher erkannt, dass in der Sowjetunion Veränderungen notwendig waren. Er hatte dafür aber kein richtiges Konzept. Es hätte uns aufhorchen lassen sollen, als der Westen ihm auf die Schulter klopfte. Er hat sich dadurch selbst überschätzt und wurde, so beschrieb es Falin, zum größten Diktator nach Stalin. Für mich wurde er zum Verräter.

Ein Unrechtsstaat?

Unter diesen Bedingungen hätte die DDR nur dann eine reelle Chance gehabt, wenn das Volk voll zur DDR gehalten hätte. Das Volk hatte sich aber zu wesentlichen Teilen anders entschieden. Dies Entscheidung haben viele längst bereut – zu spät.
Brüder und Schwestern gab es nach der Wende nicht mehr. Reisen ist eben nicht alles. Es werden Zeiten kommen, wo sich Auslandsreisen nur noch Wenige leisten können. Den Medien und der Politik wird es aber gelingen, auch dann noch oder dann noch vielmehr von Stasi, Diktatur und Unrechtstaat zu sprechen.

Dr. Reiner Burkhardt

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